Die ADHS-Steuer: der Aufpreis, den Vergessen jeden Monat kostet
Aurelio Thür·Gründer von offmyhead. Ich habe selbst ADHS.·Stand: 18. August 2026
Die Rechnung lag zwei Wochen da, jetzt kostet sie 20 Franken mehr. Das vierte Ladekabel, weil die anderen drei irgendwo sind. Ein Abo, das seit acht Monaten läuft und das du zweimal kündigen wolltest. Keiner dieser Posten ist gross, und zusammen sind sie erheblich.
Die ADHS-Steuer ist der wiederkehrende finanzielle Aufpreis, den ADHS-Symptome im Alltag verursachen: Mahngebühren, Ersatz für verlorene Dinge, ungenutzte Abos, Express-Zuschläge, verdorbene Lebensmittel, verfallene Gutscheine. Der Begriff stammt aus der Community und beschreibt Folgekosten, keine Diagnose.
Woraus die Rechnung besteht
- Verspätungskosten: Mahngebühren, Verzugszinsen, Bussen, Zuschläge für zu späte Absagen.
- Ersatzkosten: Dinge doppelt kaufen, weil das Original nicht auffindbar ist.
- Abo-Kosten: läuft weiter, weil Kündigen ein Termin ohne Auslöser ist.
- Eilkosten: Express-Versand und Last-Minute-Preise, weil die Frist erst am Ende sichtbar wurde.
- Verderb: gekauft, vergessen, weggeworfen.
Warum Budgetieren daran wenig ändert
Die meisten dieser Posten sind keine Ausgabenentscheidung. Du hast nicht beschlossen, 20 Franken Mahngebühr zu zahlen, du hast an einem Dienstag an eine Rechnung gedacht und sie am Freitag nicht mehr im Kopf gehabt. Ein Budget steuert, wofür du Geld einteilst. Diese Kosten entstehen, weil eine Handlung ihren Auslöser verloren hat.
Deshalb wirken Ratschläge zu Finanzdisziplin hier daneben. Der Hebel liegt beim Erinnern und nicht beim Sparen. Die Mechanik dahinter steht in Exekutivdysfunktion.
Was die Rechnung senkt
- Alles automatisieren, was sich automatisieren lässt. Daueraufträge und E-Rechnung entfernen den Auslöser-Bedarf ganz.
- Jede Frist im Moment des Erfahrens rausschreiben, mit Zeit. Ein Termin ohne Zeit kommt nachts wieder.
- Abos einmal jährlich durchgehen, als wiederkehrende Erinnerung und nicht als Vorsatz.
- Für Dinge, die du dauernd verlierst, einen festen Ort statt eines besseren Gedächtnisses. Warum, steht in Objektpermanenz.
Häufige Fragen
Was ist die ADHS-Steuer?
Der wiederkehrende Aufpreis, den ADHS-Symptome im Alltag verursachen: Mahngebühren, doppelt gekaufte Dinge, ungenutzte Abos, Express-Zuschläge, verdorbene Lebensmittel. Es ist ein Community-Begriff für Folgekosten.
Ist die ADHS-Steuer ein echter Fachbegriff?
Nein. Es gibt keinen klinischen Begriff dafür, und es ist keine Diagnose. Die einzelnen Kosten sind allerdings sehr real und lassen sich beziffern.
Wie hoch ist sie?
Das lässt sich nicht seriös verallgemeinern, und jede Zahl dazu wäre erfunden. Nützlicher ist, drei Monate lang die eigenen Posten aufzuschreiben. Die Summe überrascht meistens.
Wie senke ich sie am schnellsten?
Bei den wiederkehrenden Posten anfangen, weil sie jeden Monat zurückkommen: Daueraufträge einrichten, Abos einmal durchgehen, und jede Frist beim Erfahren mit einer Zeit aus dem Kopf holen.